Facebook and the Filter Bubble

So, jetzt habe ich also auch The Filter Bubble von Eli Pariser als Hörbuch gehört. Ebenfalls sehr empfehlenswert, spricht viele Probleme an. Ich finde aber, es bringt die Dinge aber nicht unbedingt auf den Punkt.

Sicherlich hat Facebook bereits einen gewaltigen Einfluss auf unseren heutigen Alltag und hat ja auch gerade per Börsengang entsprechendes Kapital daraus geschlagen. Dennoch zweifle ich an der vielfach beschworene Konsequenz, dass das Social-Media-Modell a la Facebook das Internet, wie wir es kennen, komplett vereinnahmen wird.

Die Geschäftsmodelle sowohl von Facebook wie auch von Google sind bislang klar von weitgehender Finanzierung durch Werbung geprägt. Sie stehen damit auf den selben tönernen Füßen, die sie den Zeitschriftenverlagen gerade weggehauen haben. Ein Werbebudget ist zwangsläufig ein Bruchteil des Umsatzes dessen, was da beworben wird. Das Werbemedium ist ein Makler zwischen Werbenden und Werbekunden. Wenn auch nur eine der beiden Seiten ihr Glück anderswo sucht, hat der Makler ein Problem.

Natürlich gibt es zu Werbeeinnahmen Alternativen und Ergänzungen – Abonnements, Spiele, Payed Content – aber die würden sofort auch wieder die Gewichtung auf dem Markt verschieben. (Das sieht natürlich für Content-Anbieter wie Amazon und Apple ganz anders aus.)

Aber für Facebook erkenne ich wirtschaftlich noch keine „evolutionär stabile Strategie„. Die bräuchte es aber meines Erachtens, um Social Media zu einer nachhaltig umwälzenden Erfindung zu machen, die den kompletten Alltag durchdringt und überformt, wie beispielsweise die Schrift oder die Uhr.

Auch diese Vision, dass man soziale Netzwerke so weit personalisiert, dass sie den Nutzer sanft wie ein massgeschneidetes Kleidungsstück umhüllen, erscheint mir unvollkommen. Natürlich gibt es schlichte Gemüter, die nach tausend Katzenfotos dringend weitere tausend wollen.

Insgesamt sind aber doch das Sozialleben wie auch die Mediennutzung von der Suche nach Überraschungen geprägt. Gerüchte, Innovationen, Moden, Cheats, die Geburtstgagsüberraschung der Freunde, die Auflösung des Krimis – wie man das passende Neue erkennt und wem man es klugerweise verrät, erfordert nichts weniger als künstliche Intelligenz. Wenn das kulturübergreifend und für Millionen Nutzer verfügbar ist, dann wiederum stehen wir wohl auch an der Schwelle zur Singularität im Kurzweilschen Sinne.

Und dann ist das mit dem werbefinanzierten Sozialen Netzwerk wieder so wie in den Filmen, in denen der Nerd, der sich in die Server der Bank einhacken kann, nur der Handlanger derjenigen ist, die dann Tunnel buddeln und Tresore knacken. Und wo man als Zuschauer denkt, wenn ich ersteres könnte, wäre ich auf letzteres wohl kaum noch angewiesen.

Womit wir wieder vor dem alten Dilemma stünden: Mooresches Gesetz – ja, gilt weiterhin. Künstliche Intelligenz – nein, haben wir immer noch nicht.

P.S. Es gibt noch einige weitere Diskussionspunkte und Einwände und ich habe vor, sie in weiteren Einträgen aufgzureifen.

Ich schliesse stattdessen hier mal mit einem kurzen Reality Check in Sachen Filter Bubble:

  • In Deutschland haben aktuell 30 Millionen Leute „kein Internet“.
  • Es gibt durchaus Länder, in denen Google und Facebook kaum Marktanteile haben.
  • Wenn ich auf Amazon nach Geschenken suche, sorgt das für nachhaltige Turbulenzen in meinen Empfehlungen. Ich bekommen dann wochenlang Splatter-Mangas oder Babymützen angeboten. Von Artikeln, die ich bereits irgendwo gekauft und zum Teil auch schon wieder verkauft habe, ganz zu schweigen.
  • Momentan läuft mir eine Google-Anzeige der Unternehmensberatung von Carsten Maschmeier und Bert Rürup nach. Ich kann nur vermuten, dass das darauf zurückzuführen ist, dass ich mir neulich auf Wikipedia die Biografie des ersteren durchgelesen habe. Mir ist bewusst, dass ich dadurch, dass ich das hier schreibe, möglicherweise eine lebenslange Verbindung mit dieser Anzeige eingehe.
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