Internet und Infrastruktur

Da hat er sicherlich nicht unrecht, der gute Sascha Lobo, auch in das „Internet ist Infrastruktur“-Horn zu stoßen (vgl. CRE191 Internet im Festnetz) . Und die ganzen „Wieso – bei mir kommt das Internet aus der Wand“-Kommentare zeigen vor allem das Ausmaß des Unverständnisses.

Kurz zur Klärung: Ich lebe und arbeite in Berlin. Zu Hause und am Arbeitsplatz habe ich so viel Internet wie ich nur will. Aber schon dazwischen wird das UMTS manchmal recht dünn. Und wenn ich aus Berlin rausfahre, gibts auch ganz schnell mal gar keinen Empfang mehr.

Wenn man „DSL Brandenburg“ googelt, kommt man schnell zum Breitbandatlas Brandenburg. Aber anders als man vielleicht im ersten Moment meint, bilden die hübschen Karten nicht die Versorgung sondern den Bedarf ab.

Natürlich sind darunter auch Anfragen von Leuten, die bloß Filme runterladen oder Counterstrike spielen wollen. Aber zumindest der Zugang zu Email und dem WWW sind mittlerweile für ein halbwegs zeitgemäßes Geschäftsgebaren unerlässlich. Und viele Geschäftsmodelle für Selbständige und Kleinunternehmer – z.B. Verkauf über Ebay, Amazon, Fab, usw. – funktionieren überhaupt nicht ohne anständigen Netzzugang.

Und den gibt es vielerorts einfach nicht, obwohl er für viele Unternehmen längst genauso wichtig ist, wie eine Zufahrtsstraße, Strom-, Wasser- und Abwasseranschluß. Zum Vergleich: Allein der „Investitionsrahmenplan 2011 – 2015 für die Verkehrsinfrastruktur des Bundes“ sieht dutzende Milliarden für Straßen, Schienen, Wasserstraßen und – ja – Radwege vor (don’t mention the airport!).

Dass grundsätzlich eine Straße oder eine Wasserleitung zum Haus essentieller sind, als ein Glasfaserkabel, will ich gar nicht bestreiten. Ich sehe auch ein, dass man nicht Breitband bis zu jedem Schafstall legen will, wie es Skandinavier und Neuseeländer dem Vernehmen nach schon tun.

Aber wenn man den Netzausbau in der Fläche so verschleppt, darf man sich auch nicht wundern, wenn die Überalterung und Verödung größerer Landstriche ungebremst voranschreitet. Denn ein Unternehmer, der die Vorteile des Internets nutzen möchte – und sei es nur, um Bestellungen per Email engegennehmen zu können -, wartet vermutlich nicht, ob ihm ein Netzbetreiber irgendwann einmal DSL bereitstellt. Sondern er wird sich überlegen, ob er ohne auskommt, oder dahin gehen, wo er heute schon einen Netzanschluss hat.

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