Facebook – Last des Erfolgs

Und schon wieder etwas gelernt: Why Teens are Tiring of Facebook. Die Kids wandern jetzt von Facebook zu Instagram, Snapchat und anderen Sharing-Netzwerken. Es scheint diesbezüglich noch wenig belastbare Daten zu geben und dementsprechend ist besagter Artikel voller anektdotischer Belege.

Die ich aber schlüssig und glaubwürdig finde, ebenso wie die darauf aufbauende Analyse. Die im Wesentlichen besagt, dass Jugendliche beginnen, Facebook zu meiden, weil dort schon „die Erwachsenen“ sind. Weil sie also – platt formuliert – kein Zutrauen haben, dass ihre krassen Skateboard-Stunt-Clips nicht auch von Oma, Eltern und Lehrern gesehen werden.

Nun hat ja Facebook auch in den vergangenen Jahren nicht wirklich mit Nachdruck daran gearbeitet, das selektive Teilen von Inhalten mit bestimmten (Gruppen von) Kontakten zu erleichtern. Und ich vermute, dass sie das aufgrund ihrer Werbefinanzierung auch gar nicht wollen. Jeder soll Multiplikator für alles sein und Facebook selbst möchte die Verbindungen zwischen Nutzern qualifizieren und diese Leistung ggf. auch seinen Werbekunden als Mehrwert verkaufen.

Aber das befördert eben auch die Abwanderung der coolen Kids. Eine Facette dessen, was ich mal als Economy of Desire bezeichnet habe, was aber im Grunde auch nur postmaterialistische Ökonomie ist. Coolness von Konsumgütern und Diensten bedingt eben immer auch, dass sie knapp oder zumindest selten sind. Sobald also alle Zugang zu etwas haben – Urlaub an der Adria, Urlaub auf den Kanaren, Urlaub auf Bali -, ergibt sich daraus keine Distinktion mehr.

Geradezu protoypisch zu sehen war dies in den vergangenen Jahren bei iPhones. Wer heute ein iPhone noch besonders cool findet, zeigt damit eigentlich nur, wie uncool er selbst ist. (Kurz zur Erinnerung: Das erst iPhone kam 2007 auf den Markt. Ich kenne eine einzige Person, die letzten Sommer noch ein iPhone 2 beutzt hat. Was wiederum schon wieder cool ist. *g*)

Was ich damit sagen will ist, dass der Coolness-Zyklus oft extrem schnell durchlaufen wird. Mitunter zu schnell, um an einem bereits entstehenden Trend ein Geschäftsmodell festzumachen und Profit daraus zu schöpfen.

Wie der CNET-Artikel auch erwähnt, könnte die Wanderungsbewegung hin zu Instagram Facebook ja egal sein, nachdem sie diese Firma aufgekauft haben. Aber noch erstreckt sich ihr Werbemodell nicht auf Instagram, woran sie aber sicherlich schon arbeiten.

Aber die Sorge bleibt natürlich, dass die Nutzer schon wieder weiter wandern wenn Instagramm-Werbung umgesetzt ist. Damit zeigt sich wieder ein zentrales Problem von Facebook – es fällt ihnen deutlich schwerer als Google oder Amazon, sich wandelnden und divergierenden Nutzerbedürfnissen anzupassen.

Werbung an sich trägt sicher auch nicht unbedingt zur Coolness eines Dienstes bei. Ich hatte ja schon einmal spekuliert, dass auch die Abneigung gegen Werbung eine Rolle spielt und will das hier folglich nicht weiter erörten.

Stattdessen zuletzt noch folgende Überlegung: Die Nutzer schaffen sich ja durch die bewusste Verteilung ihrer Aktivitäten auf verschiedene soziale Netzwerke offenbar selbst eine Unterteilung in verschiedene soziale Sphären. Kann es einem einzelnen Unternehmen gelingen, solche Unterteilungen besser zu unterstützen als Facebook (und Google+)? Wird das vielleicht der entscheidende Vorteil für das Geschäftsmodell von App.net, weil sie die Infrastruktur als Dienst verkaufen und ihnen die Funktionalität, die oben drüber implementiert ist, weitgehend egal ist?

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