Vergabeverfahren

Da gibt es ja momentan einen prominenten Fall, der für reichlich Kontroversen sorgt. Und das ist auch ein gutes Beispiel, für überkommene Vorgehensweisen aus vor-digitaler Zeit, die weiterhin unser öffentliches Leben prägen.

First-come-first-serve ist ja eine einfache Methode, um ein absehbar knappes Gut an eine Menge von Aspiranten zu verteilen. Insbesondere in der Form des Schlangestehens ist es insofern praktisch, dass dafür keiner lesen oder schreiben können muss und auch sonst keine Infrastruktur benötigt wird. Und es ist insofern fair, als dass die Chance, das erwünschte Gut zu erhalten, im Verhältnis zu der fürs Warten geopferten Zeit steht.

In der Schrift-, Brief- und Telefonwelt des 20. Jahrhunders funktioniert dieses Konzept schon schlechter, z.B. weil man auf ein Postunternehmen angewiesen ist, um einen Brief fristgerecht zu überbringen. Oder weil ein Telefonanschluss, den viele gleichzeitig anrufen, für die allermeisten besetzt ist. Oder wenn jemand 20 Wartenummern ziehen und dann weiterverkaufen kann.

Nahezu lächerlich wird es, wenn die Eingangszeiten von Fax, E-Mail oder Online-Einschreibung verwertet werden sollen. Belohnt werden hier einzig diejenigen, die mit der Technologie am besten umgehen können, also am schnellsten tippen oder das Verfahren gleich automatisiert haben.

Das faire Vergabeverfahren besteht heutzutage und hierzulande schlicht darin, eine ausreichend lange Subskriptionsphase abzuhalten und dann das Gut unter allen eingegangenen Bewerbungen zu verlosen. Und mittels E-Mail und Web ist dieses Verfahren auch nicht mehr besonders aufwendig umzusetzen. Das hat zumindest das Management der Alt-Hippies von Led Zeppelin begriffen, im Gegensatz zu den Herren von Kraftwerk und der deutschen Oberlandesgerichtsbarkeit.

Richtig rund wird so ein Vergabeverfahren, wenn man den Bewerbern auch eine Rückmeldung bezüglich des Eingangs und der Korrektheit der Anmeldung gibt. Und auch wenn diese Vorghensweise für den Ausrichter etwas aufwendiger ist, als die Leute einfach zum Warten oder zur Hektik zu verdonnern, so spart es doch sämtlichen Bewerbern Zeit und Nerven.

Beim Münchener Oberlandesgericht gingen übrigens wohl auch vier Anträge auf Akkreditierung ein, die vom Zeitpunkt her einen Zuschlag erhalten hätten, aber aufgrund von Formfehlern abgewiesen wurden. Von Papierstau im Faxgerät mal ganz abgesehen.

Mit solchen Überlegungen erklärt sich letztlich auch meine tiefe Abneigung gegen das beliebte Schlangestehen für Hightech-Produkte. Das erscheint mir ungefähr wie Beten für die Aufklärung.

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