Snowden

Das Whistleblowing von Edward Snowden schreit natürlich nach einem Kommentar. Andererseits ist vieles richtige und wichtige dazu auch schon irgendwo gesagt worden, z.B. hier, hierhier und hier. Zwei Anmerkungen vielleicht noch.

Erstens finde ich es bemerkenswert, dass ein relativ junger externer Mitarbeiter Zugriff auf solch brisante Daten erhalten konnte. Die Dokumente, die er abgezweigt und veröffentlicht hat, sind ja immerhin kritisch für das Gesamtunternehmen NSA. Da mag man natürlich Beteuerungen, mit den Daten von Normalbürgern werde verantwortungsvoll umgegangen, erst recht nicht glauben.

Ohne dass ich dafür echte Belege hätte, sieht es oft so aus, als ob Organistaionen geheime und schützenswerte Informationen nach aussen stark absichern, dass aber im Inneren solcher Schutzwälle kaum wirkliche Zuganghürden vorhanden sind. Man vergleiche den Fall Bradley Manning – der Mann war ja auch „Private First Class“, also bestenfalls „Obergefreiter“ und nicht etwa Brigadegeneral.

Es ist nämlich sehr umständlich innerhalb einer größeren Organisation ein verbindliches und konsistentes System an Berechtigungen und Sperren zu unterhalten. Das muss dann nämlich ständig an neue Aufgabenstellungen, Projektzugehörigkeiten, etc. angepasst werden. (Auch aus diesem Thema könnte man eine Doktorarbeit des Monats stricken.)

Zweitens ist es natürlich unschön, dass die NSA möglicherweise ein besseres Archiv meines digitalen Treibens hat, als ich selbst. Wenn man realistisch ist, ist die Gefahr, als Normalbürger dadurch in Schwierigkeiten zu geraten sicher geringer, als anderweitig zu Unrecht im Knast oder vor Gericht zu landen.

Die umfassende Datensammlung bedeutet aber eben auch, dass die privaten Daten aller Senatoren, Bundesrichter und Präsidenten erfasst werden. Und aller, die es werden wollen. Um das resultierende Erpressungs- und Machtpotential auszuloten, schaue man sich nur mal an, wie die Karriere von General Petraeus zuende ging.

In der Kombination dieser beiden Überlegungen sehe ich das akute Haupt-Gefahrenpotential der NSA-Überwachung. Zumindest solange das Regierungssystem die repräsentative Demokratie mit gewählten Vertretern ist.

Ansonsten: „The first time I saw a movie where a satellite was able to zoom in on a car license plate, I snickered. Recently I was able to log onto a website (www.terraserver.microsoft.com) and see the roof of my house – or yours. If Microsoft gives that away for free, I believe the National Security Agency can read license plates.“ – Roger Ebert in seiner Filmkritik zu „Enemy of the State“, 1998.

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