What’s Wrong with the Deutsche Bahn?

Wenn man in Deutschland mit Touristen und Expats spricht, wird man oft völlig überrascht von wohlwollenden, bisweilen begeisterten Kommentaren zum öffentlichen Nahverkehr und zur Deutschen Bahn. OK, solche Kommentare kommen nicht unbedingt von Japanern oder Koreanern sondern eher von Iren oder Osteuropäern oder Amerikanern.

Jedenfalls ist die Diskrepanz in den Einschätzungen zwischen Einheimischen und Besuchern verblüffend. Wenn man nachfragt, wird von letzteren positiv bewertet, dass das Verkehrsnetz sehr dicht ist und man per Bus und Bahn fast überall hinkommt. Die Einschätzung der Deutschen, dass die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit katastrophal sind, spielt anscheinend eine geringere Rolle.

Das Ideal einer hundertprozentig pünktlichen Eisenbahn ist den ausländischen Besuchern scheinbar nicht so wichtig. Und vielleicht fällt ihnen auch gar nicht auf, wie oft Durchsagen im Problemfall keinerlei hilfreiche Information enthalten.

Die Bahn selbst scheint sich hingegen in ihrer Aussendarstellung mit dem deutschen Publikum einig zu sein: Pünktlichkeitsoffensive! Pünktlichkeit über alles! Kommt sogar noch vor Sauberkeit und Ordnung.

Der Einsicht, dass Züge bei dem Aufwand, den man aktuell zu treiben bereit ist, ebensowenig alle pünktlich sein können, wie Flugzeuge, Busse oder Autos, stellt sich die Bahn nur wiederwillig. Immerhin kann man sich mittlerweile per Mail oder SMS über Verspätungen informieren lassen und das Zugpersonal versucht einen Überblick zu geben, welche Anschlussverbindungen noch erreicht werden.

Aber auch da wird es schon dünn – wenn ich einen Anschluss nicht erreiche, aber schon 15 min später einen anderen Zug nehmen kann, ist das ja ein überschaubares Problem. Anders, wenn ich die letzte Verbindung des Tages verpasse und vor der Wahl stehe, auf dem Bahnhof oder im Hotel zu übernachten oder zig Kilometer per Taxi zu fahren. Hier wären mehr Informationen über Alternativverbindungen sicher hilfreich.

Wenn ich mir eine Zugverbindung anzeigen lasse, scanne ich sie quasi instinktiv auf  „Sollbruchstellen“. Und ich vermeide es, wo immer möglich, die letzte Verbindung des Tages zu nehmen.

Umgekehrt ist die Sicherheit, nicht in einem Zug oder auf einem Bahnhof stranden zu können, m.E. auch eines der unterschwelligen Gefühle, die den Leuten das Autofahren weiterhin schmackhaft machen. Insbesondere, seit man Navigationssysteme hat und von beinahe überall aus per Handy den ADAC zu Hilfe rufen kann.

Was die Abwägung von ausgehängtem Fahrplan vs. aktuelle Information angeht, war übrigens 1998 die Busgesellschaft in Atlanta, Georgia schon weiter – wohl auch angesichts der dort allgegenwärtigen Staus. Die haben damals schon keine konkreten Fahrpläne mehr an die Haltestellen gehängt. Stattdessen hing dort die Telefonnummer einer kostenlosen Hotline, die einem dann sagen konnte, wann der nächste Bus eintrifft und wie lange man wohl ans Ziel braucht.

Vorschläge, wie man den Bahnreisenden, die bereit sind mit der Tatsache zu leben, dass es manchmal 10 min länger dauert, heute schon weiter helfen könnte, bieten definitiv genug Material für einen weiteren Blog-Post an dieser Stelle.

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