Handyticket, hallelujah!

Hier ein kurzer Erfahrungsbericht zum Handyticket für den öffentlichen Berliner Nahverkehr per kostenloser BVG-App für das iPhone (iOS 6). Ich nutze diesen Dienst jetzt seit einigen Tagen und bin damit mittlerweile auch in einen Bus eingestiegen und habe auch eine Fahrscheinkontrolle erfolgreich überstanden.

Also insgesamt kann ich grünes Licht geben. Der erhoffte Effekt, dass man schon auf dem Weg zum U- oder S-Bahnhof mit einigen Klicks ein Ticket anfordern kann, tritt ein. Somit kann man direkt in die nächste Bahn steigen, statt am Automaten hinter einem Schwarm Touristen zu stehen und zuzusehen, wie ein oder zwei Züge ankommen und weiterfahren. (Nichts gegen die Touristen an dieser Stelle – die plagen sich ja auch mit den ollen Automaten und dem Kleingedruckten der Beförderungsbedingungen.)

Einige Hints and Caveats habe ich allerdings:

Um Tickets zu kaufen, muss man persönliche Daten samt Zahlunginformationen eingeben. Man kann mehrere Zahlungswege hinterlegen, unterstützt werden aber nur Bankeinzug und Kreditkarte, kein PayPal, Firstgate, etc.

Diese Eingabe kann man komplett in der App erledigen, man bekommt eine Bestätigungsmail, aber es erfolgt keine „Aktivierung“ per Mail oder Web. Ich habe hingegen keinen Weg gefunden, die hinterlegten Account-Daten in der App zu ändern.

Das ist insofern etwas nervig, als man pro Ticket-Transaktion eine Bestätigungsmail bekommt. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vermutlich eine andere Mail-Adresse angegeben. So könnte ich nur einen ganz neuen Account anlegen, der aber ja auch auf meinen Namen lauten sollte, alldieweil die Tickets personalisiert sind. Lasse ich also lieber erstmal.

Die Angabe der Bankdaten erfolgt übrigens nicht beim Anlegen des Accounts, sondern vor dem ersten Ticketkauf. Da man für SEPA-Lastschrifteinzug die komplette IBAN eingeben muss (welche in meiner Online-Banking-App zwar angezeigt wird, sich dort aber nicht kopieren lässt, aaargh!) und vermutlich alternativ eine Kreditkartennummer, empfehle ich, das in einem ruhigen Moment zu machen und nicht auf dem Bahnsteig oder gar in der Bahn.

Ich hatte jetzt einen Fall, wo ich zwar ein Ticket ordern konnte, der virtuelle „Fahrschein“ aber nicht geladen wurde. Leider erschien außer einem grauen Ausrufzeichen keine Fehlermeldung. Dank der Bestätigungsmail ließ sich aber nachvollziehen, dass ich ein Ticket gekauft hatte. Das Problem ließ sich umgehen, indem ich die App beendet und neu gestartet habe – trotzdem ein irritierender Fehler. Das war übrigens das Ticket, mit dem ich dann kontrolliert wurde.

Man sollte also zusehen, dass man nicht nur genügend Akku-Kapazität für die Fahrt hat, sondern auch eine durchgehende Netzverbindung im Moment des Kaufs. Jedenfalls vermute ich, dass es daran lag, dass ich das BVG-Ticket aus einem fahrenden Zug der DB heraus geordert habe, wo es an Letzterem ja für gewöhnlich hapert.

Weiterer Punkt: Da man für viele Fahrscheine den Startort angeben muß, ist das Abspeichern von Favoriten natürlich ein sinnvolles Feature. Leider bezieht sich der dabei automatisch angebotene Name nicht auf diesen Startort, sondern nur auf die Art des Fahrscheins. Das führt dazu, dass man Bahnhofsnamen umständlich zweimal direkt  hintereinander eingeben muß. Auch das ist nervig und wäre wohl leicht zu beheben.

Die Bewertungen für die App sind übrigens mit 1,5 von 5 Punkten ziemlich katastrophal, was vermutlich daran liegt, dass gegenüber der vorherigen Fahrinfo-App keine Echtzeitinfo von Bus-Abfahrtszeiten mehr angezeigt wird. Das ist für die Betroffenen sicher ärgerlich, ich habe diese Funktion aber kaum je genutzt und mich insofern wegen des Handytickets trotz der schlechten Bewertung für das Update entschieden.

Somit gibt es nun eine weitere Organisation, die ein – wenn auch bruchstückhaftes – Bewegungsbild von mir hat. Hat aber der Telefon-Provider natürlich eh – und vollständiger. Kritischer würde es, wenn irgendwann nur noch Online-Tickets verfügbar wären. Diesen Zeitpunkt sehe ich aber noch nicht.

Und schön wäre natürlich eine App, die für mehr als einen ÖPNV-Tarifverbund funktioniert, also z.B. auch in Hamburg oder Leipzig. Ach so, gibts ja schon. Nennt sich BahnCard 100.

Nachtrag: Da sehr lustige Komplement zu diesem Beitrag: Kathrin Passig über Touchandtravel.

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