Bittere Erkenntnisse

Vorab muss ich ganz klar um Verständnis bitten, wenn ich hier über einen Fall spekuliere, in dem wahrscheinlich 239 Menschen ums Leben gekommen sind. Bei allem Repekt vor den Opfern kann ich dennoch nicht widerstehen, hier ein paar Gedanken zum Verschwinden der Boeing 777 der Malaysian Airlines (Flug MH370) zu äußern.

Diese Gedanken entsprechen dem von Winograd/Flores bei Heidegger entlehnten Muster, dass Erkenntnis insbesondere über komplexe Systeme vornehmlich im Moment ihres Versagens („Zusammenbruch“) entsteht.

In diesem Sinne offenbart die nun eine Woche andauernde Suche nach dem verschollenen Flugzeug einiges zum Thema Flugsicherheit und Informationsverarbeitung. Und ich will jetzt hier nicht groß herumstänkern, dass Flugpassagiere seit 2001 millionenfach Kosmetika und Nagelscheren abgeben mussten. Auch dass man offenbar auf vielen Flughäfen nur die Ruhe bewahren muss, um mit einem als gestohlen gemeldeten Pass an Bord eines Flugzeugs zu gelangen, will ich nicht weiter kommentieren.

Interesant und neu war für mich im aktuellen Fall einerseits, wie viele verschiedene Systeme an Bord einer normalen Passagiermaschine Flugdaten aufzeichnen und unterwegs versenden. Umso absurder wirkt es, dass es nach einem Zwischenfall Tage dauert, diese Daten zusammenzutragen und auszuwerten.

Sollte es nach einem Absturz oder einer Notwasserung von MH 370 Überlebende gegeben haben, die irgendwo auf offener See trieben, so dürfte für die Armen mittlerweile jede Hilfe zu spät kommen. Und auch in allen anderen Szenarien von Entführung, Erpressung, Sabotage und erweitertem Selbstmord, die jetzt diskutiert werden, wäre es sicher gut gewesen, schneller und genauer über letzte Positionen der Maschine bescheid zu wissen.

Hier hätte ich in Zeiten, in denen überall Terrorgefahr gewittert wird, eine deutlich engmaschigere Überwachung erwartet. Immerhin stehen in Südostasien auch diverse imposante Türme herum. Hoffen wir also, dass das Flugzeug nicht noch einmal als Werkzeug eines Anschlags auftaucht.

Und was die Datenerfassung und -auswertung angeht hoffen wir, dass auch aus dem aktuellen Zusammenbruch Erkenntnisse folgen. Dass man vielleicht die Überwachung ganzer Flugzeuge ebenso akribisch betreibt, wie das Screenen und Filzen der Passagiere. Ersteres greift nämlich nicht in die Persönlichkeitsrechte der Reisenden ein und wäre – wie sich hier zeigt – auch in Katastrophenfällen hilfreich.

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