Tempelhofer Feld

Hier mal eine klare Stellungnahme, warum ich gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes stimmen werde:

Ich weiß nicht, wie die aktuellen Besitzverhältnisse bzgl. des Tempelhofer Feldes sind. Gerüchteweise zumindest undurchsichtig. Nehmen wir als günstigsten Fall einmal an, dass alle Flächen, die zu bebauen wären, direkt oder indirekt dem Land Berlin gehören. Selbst dann hege ich keinerlei Hoffnung, dass aus der Bebauung Gewinne zu erwarten sind, die der öffentlichen Hand zugutue kämen, also um z.B. die Schuldenlast zu reduzieren.

Mir fallen nämlich nur Beispiele ein (Potsdamer Platz, Wasserversorgung sowie auch der ganze Skandal um die Bankgesellschaft Berlin), wo die besagte öffentliche Hand ihren Besitz billig hergegeben hat und private Investoren dann einen ordentlichen Reibach gemacht haben. Gibt hingegen das Land selbst den Bauträger, droht eine Situation wie bei diesem anderen Flughafen.

Meiner Erfahrung nach sind also in Berlin weder durch die Veräußerung von Allgemeineigentum, noch durch kommunale Errichtung und Bewirtschaftung von Immobilien Gewinne für die Stadtkasse zu erwarten. Prove me wrong!

Zweitens gibt es m.E. immer noch genügend andere Freiflächen in der Stadt. Ich fahre regelmäßig viel Fahrrad im Stadtgebiet und neben zahlreichen Neubauprojekten sieht man auch immer noch eine Menge Industriebrachen und andere ungenutzte Flächen. Und was ist überhaupt mit dem Flughafen Tempelhof? Ich habe mal an einer Führung durch das Gebäude teilgenommen. Dabei hieß es, der Komplex böte tausende von Büroräumen, die überwiegend ungenutzt seien.

Stattdessen erwarte ich als Ergebnis der Randbebauung die üblichen „Premium-Townhouses mit Loftcharakter und Tiefgaragenplatz“. Und selbst wenn nicht: Man kann in dieser Spitzenlage – zentral mit Auto-, S-, U- und Fernbahn, Park, und Bergmannstraße in unmittelbarer Nähe und oben drauf noch ein international bekannter Name – keine Sozialwohnungen errichten, selbst wenn man es wollte. Egal, was an Neubauten dort jetzt entsteht – es wird von Besserverdienenden bezogen werden und nicht von Lieschen Reinigungskraft und Otto Busfahrer.

Damit droht dann aber akut das, was ich mal „Prenzlbergisierung“ nenen möchte, auch wenn einige der besten Beispiele gar nicht aus dem Prenzlauer Berg stammen (Knaack Club, Denkmal Kreuzberg, SO36 und noch ein schöner Artikel mit losem Bezug).

Wenn nämlich Leute viel Geld für Wohnungen zahlen, die unmittelbar an einen Ort öffentlicher Vergnügung grenzen, dann wird irgendwann den ersten dieser Anwohner zu bunt und zu laut. Und dann setzen sie ihre Anwälte in Marsch (so sie denn nicht selbst welche sind). Und dann ist auch mal schnell Schluss mit Grillgestank, Partylärm und Kindergeschrei.

So verständlich der Protest sein mag, wenn im Nachbarhaus plötzlich eine Kneipe oder ein Hostel aufmacht und man nachts nicht mehr schlafen kann, so wenig verstehe ich, dass der Senat jetzt unbedingt eine weitere Konfrontation dieser Art heraufbeschwören will. Noch ist das Tempelhofer Feld in jeder Richtung durch mindestens einen Zaun und eine Straße oder Bahnlinie von den umgebenden Kiezen getrennt und deswegen kann man dort auch Ärzte-Konzerte veranstalten.

Aber der Eindruck, dass die Immobilienwirtschaft in Berlin die Landespolitik vor sich her treibt, ist ja nicht neu.

Nachtrag: Noch ein sehr stimmiger Beitrag zu diesem Thema.

Nachtrag 2: Das sagt der Exberliner. Dementsprechend plant auch der Senat nicht wirklich „zur Hälfte Sozialwohnungen.“

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