Mann muss auch mal loben!

Die vielgescholtene EU zum Beispiel. Genauer gesagt, das EU-Parlament für seine Beschlüsse zu Netzneutralität und Roaming-Gebühren und den Europäischen Gerichtshof für sein Urteil zur Vorratsdatenspeicherung. Beide Beschlüsse sind ganz klar besser als erwartet ausgefallen.

Was die Netzneutralität angeht, rudert aber nun die US-amerikanische Telekommunikationsbehörde FCC genau in die entgegengesetzte Richtung. Und die Vorratsdatenspeicherung gilt ja unter Eingeweihten schon länger als Zombie unter den netzpolitischen Themen: Man schlägt sie tot aber sie stirbt nicht.

Wirklich nicht besonders lobenswert finde ich die Nachricht, dass in Berlin jetzt auf der Belziger Straße eine „grüne Welle für Radfahrer“ gilt. Das klingt zunächstmal gut und die Springer-Presse hat sich wohl auch schon ordentlich darüber echauffiert und den totalen Verkehrskollaps prognostiziert.

Aber wenn man etwas genauer nachschaut (vor Ort oder per Google Street View), stellt man Folgendes fest: Die Belziger Straße ist einen Kilometer lang und hat auf dieser Strecke zwei Ampelkreuzungen und eine Einmündung mit rechts-vor-links-Regelung. Im Süden endet sie an einer weiteren Ampel an der Kreuzung Martin-Luther-Str. vor dem Rathaus Schöneberg.

Wenn man diese Strecke ganz entlangradelt, kommt man also bestenfalls an drei Ampeln in den Genuß der grünen Welle. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist die erste Ampel, die man passiert, rot und man schwimmt nur an den beiden folgenden Ampelkreuzungen mit der Welle.

Das ist meiner unmaßgeblichen Meinung nach die Aufregung nicht wert. Hätte es hierzu keine Pressemitteilung gegeben, wären die geänderten Schaltintervalle vermutlich nur den Anwohnern aufgefallen. Wenn überhaupt. Ohnehin liegt die Belziger Straße in einer Tempo-30-Zone und jeder haltende Lieferwagen sorgt hier für mehr Turbulenzen – bei Rad- wie bei Autofahrern – als diese Neuerung.

Die Autofahrerlobby hätte hingegen genauso gezetert, wenn am Großen Stern oder einem ähnlichen Knotenpunkt die Ampelschaltungen fahrradfreundlicher gestaltet worden wären. Auf denjenigen, der sich das traut, können wir aber wohl noch lange warten. Insofern unterstreicht diese Posse m.E. nur die Tatsache, dass Radfahrer in Berlin weiterhin nicht wirklich ernst genommen werden.

 

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