Uber – zehn Vorzüge und ein ungelöstes Problem

Disclaimer: Ich bin auf mehereren Kontinenten Taxi gefahren, dabei aber nie wissentlich das Opfer von Taxi-Abzocke jenseits von ein oder zwei Kilometern Umweg geworden. Ich habe aber viele unangenehme Geschichten gehört, auch aus deutschen Großstädten.

Ich bin kürzlich in den USA dreimal per Uber gefahren. Zweimal haben Kollegen die Fahrt gebucht, die dritte ich selbst. Unabhängig davon, was man von Ubers Geschäftsmodell und von der Gig Economy hält, fallen dabei sofort einige wesentliche Vorzüge des Uber-Konzepts auf, die ich hier mal zusammenfassen möchte.

  1. Man nutzt weltweit überall dasselbe Interface und muss sich nicht pro Land oder gar Stadt eine eigene App mit eigener Benrutzerführung installieren.
  2. Man kann sich auf der Stelle einen Überblick verschaffen, wieviele Fahrzeuge in der Umgebung unterwegs sind.
  3. Die Strecke wird durch Angabe von Start und Ziel vorab festgelegt. Sofort werden voraussichtliche Strecke, Dauer und Preis der Fahrt angezeigt.
  4. Durch das direkte Festlegen des Fahrpreises entfallen alle Nachfragen und ggf. mühsame Verhandlungen mit dem Fahrer. Ja nach Weltgegend und den Sprachkenntnissen der Beteiligten kann das eine große Erleichterung sein. Demgegenüber sind die Taxiunternehmen natürlich im Zweifel an gesetzliche Regelungen und gebunden und der Fahrgast muss zahlen, was das Taxameter am Ende der Fahrt anzeigt.
  5. Durch den vorab festgelegten Preis entfällt auch der Anreiz für den Fahrer, durch Umwege oder anderweitige Verzögerung der Fahrt zu betrügen. Auch das eine Riesenerleichterung für den besorgten Reisenden in einer fremden Stadt.
  6. Sofort bei Buchung der Fahrt werden Namen, Nummernschild und Bewertung des Fahrers angezeigt. Datenschutztechnisch natürlich eine Scheunentor, schafft diese Funktion – samt ihres Gegenstücks für den Fahrer – doch ein gewisses Sicherheitsgefühl. Ein System fernab der beteiligten Mobiltelefone hat registriert, dass dieser Passagier eine Fahrt mit diesem Fahrer gebucht hat. Was immer von da an auch schiefgeht – vom liegengelassenen Schal bis zum tödlichen Unfall – allen Beteiligten ist klar, dass dieser eine Datenpunkt aufgezeichnet wurde. Bei herkömmlichen Taxis gibt es für den Fahrgast diese Nummer, die an der Scheibe klebt und die man erstmal finden und sich merken muss, und für den Fahrer gar nichts. Siehe dazu auch diesen Blog-Post.
  7. Der Abholort kann in der App interaktiv festgelegt werden. Dazu dient die übliche Kartenansicht mit Pan- und Zoom-Funktion. Somit entfällt eine weitere Kommunikationshürde zwischen Fahrer und Fahrgast (und ggf. einer Taxizentrale).
  8. Die Anzeige der Anfahrtszeit und des sich in der Kartenansicht nähernden Fahrzeugs stellen eher eine Bequemlichkeit dar, da sie dem Fahrgast keine neuen Möglichkeien bietet, falls der Fahrer plötzlich im Stau steckenbleibt.
  9. Dass die Bezahlung stets nur in der App stattfindet, ist ein weiteres wichtiges Feature. Weder der Fahrgast noch der Fahrer müssen Bargeld bei sich tragen, für beide sinkt das Risiko von Raub und Betrug.
  10. Und dann gibt es noch die Bewertungsfunktion. Angeblich führen schon Durchschnittsbewertungen von unter 4,6 von 5 möglichen zur Sanktionierung der Fahrerm, was ich nicht überprüfen kann. Generell gibt es natürlich dem Fahrgast eine Form von Kontrolle, wenn er z.B. seiner Unzufriedenheit über schlechten Fahrstil oder Unfreundlichkeit ohne persönliche Konfrontation nachhaltig Ausdruck verleihen kann.

Zusammengenommen handelt es sich hier m.E. um einen klassischer Fall von disruptiver Innovation. Die Taxiunternehmen haben sich viele Jahre lang darauf spezialisiert, einen geschlossenen Markt profitabel zu verwalten. Neuen Technologien, die deutliche Verbesserungen bei der Effizienz und der User Experience versprechen, stehen sie ratlos bis ablehnend gegenüber. Eigentlich müsste es ja dringendes Bestreben aller Taxifirmen sein, die o.g. Vorteile selbst sofort umzusetzen. Stattdessen lassen sie sich dadurch verhöhnen, dass Uber Werbung auf ihren Taxis schaltet.

Mir ist völlig bewusst, dass das Uber-Modell auch viele Schattenseiten hat, darunter den Mangel an Absicherung für die Fahrer, deren Abhängigkeit von der Firma, deren umfassende Lenkung und Kontrolle einschließlich der Drohung, bei schlechter Bewertung augeschlossen zu werden, die absolute Abhängigkeit vom Mobilfunk, und so weiter. Wie bei Amazon, Facebook und Airbnb sind aber die Nutzer offensichtlich bereit, diese Nachteile auf der gesellschftlichen und makroökonomischen Ebene zu hinzunehmen, wenn die Nutzung so deutliche Bequemlichkeitsvorteile bietet.

Ich habe mir auch noch einmal die aktuellen Versionen von mytaxi und Konsorten angesehen. Einiges – wie Anzeige der Anfahrtszeit und Bezahlen in der App – haben die mittlerweile nachgezogen. Aber mehrere der oben aufgeführten Punkte beherrschen sie weiterhin nicht.

Was Uber allerdings immer noch nicht gelöst zu haben scheint, ist die Frage nach dem Trinkgeld. Geben, nicht geben, falls doch, wieviel und in Abhängigkeit wovon? – die Firma scheint da noch keine einheitliche Linie zu haben.

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