Disruption!

Ich habe in den letzter Zeit einiges gelesen (Liste von Links am Ende dieses Posts), was mich zu bestimmten Schlussfolgerungen auch in Bezug auf den unerwarteten Wahlsieg Donald Trumps geführt hat. Dieser wird – wie auch andere politische, vor allem rechtspopulistische Bewegungen – des öfteren als Disruption bezeichnet. Dieser Begriff bezog sich usrprünglich auf technische und wirtschaftliche Entwicklungen und wird nun zunehmend auf die Politik übertragen.

Dass aktuell Disruption politischer und gesellschaftlicher Systeme stattfindet, lässt sich wohl kaum noch abstreiten. Ich finde aber, dass es eine zentrale Frage gibt, die alle unten verlinkten Publikationen streifen, aber nicht deutlich formulieren. Nämlich die Frage, wie wir eine Balance zwischen gesellschaftlicher Stabilität einerseits und disruptiven Entwicklungen andererseits erreichen können. Oder genauer, wie wir verhindern, dass technische Disruption soziale Disruption oder gar Revolution auslöst. Ich kann diese Frage hier selbstverständlich auch nicht beantworten, kann aber wenigstens versuchen, sie klar zu formulieren.

Einerseits ist langfristige Stabilität auf gesellschaftlicher Ebene wünschenswert. Wenn man z.B. seine Altersvorsorge plant, möchte man ungern alle paar Jahre mit neuen gesetzlichen Regelungen konfrontiert werden, die bisher getätigte Investitionen infrage stellen. Ein anderes Beispiel sind Eltern, die schon noch verstehen sollten, was ihre Kinder in der Schule lernen.

Dieses Stabilitätsstreben geht aber oft nahtlos in gesellschaftliche Verkrustungen über. Auch ohne das Parkinsonsche Gesetz zu bemühen, erkennt man, dass große Organisationen zur Verknöcherung neigen. Deutsche Renten- und Gesundheitssysteme, die ja seit Jahren im eingeschwungenen Zustand sind und dank des technologischen Fortschritts deutliche Effizienzgewinne erzielen sollten, weisen stattdessen stetig wachsende Verwaltungskosten aus (bei null Bevölkerungswachstum und null Inflation).

Weitere Beispiele sind die Geschworenengerichte und das Wahlmännersystem in den USA. Beide lassen sich historisch gut herleiten – das eine als die Garantie, dass ein Angeklagter von seinesgleichen verurteilt werden sollte, das andere als indirektes Wahlsystem in einem weitläufigen und dünn besiedelten Land. Reisende Emissäre waren einst natürlich eine gute Lösung, um die Wahlergebnisse der Bundesstaaten in die Hauptstadt zu übermitteln.

Solche überkommenen und erstarrten Strukturen werden der ursprünglichen Theorie von Clayton M. Christensen zufolge durch disruptive Initiative aufgebrochen. Das aufstrebende junge Startup wird vom Branchenreisen erst belächelt, dann unterschätzt, und erst ernst genommen, wenn es bereits dabei ist, den Markt zu erobern. Auf gesellschaftlicher oder gar staatlicher Ebene funktionierte Disruption hingegen jahrhundertelang eher so, dass eine Gesellschaftsordnung, die sich überlebt hatte, durch Revolution oder Krieg zerstört und durch eine andere ersetzt wurde.

Demokratien haben zum Ziel, diesen Prozess zu kanalisieren und zu befrieden, indem sie in regelmäßigen Abständen friedliche Machtwechsel ermöglichen. Dabei sind sie ebenfalls der Gefahr der strukturellen Erstarrung ausgesetzt, wie z.B. in den USA durch ein quasi zementiertes und auf allen Seiten von Lobbyisten umzingeltes Zweiparteiensystem.

Nun hat Donald Trump im Eiltempo an diesem seit 150 Jahren bestehenden Parteien-Doupol vorbei die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Und jetzt stellt sich die Frage, wieviel Erneuerung er tatsächlich bewirken kann. Auch Obama war ja mit vielen hehren Zielen ins Amt gestartet und konnte letztlich wenige davon verwirklichen.

Vor allem aber stellt sich die Frage, ob Trump seine Wählerschaft, deren Zorn er ja bewusst angefacht hat, zufriedenstellen kann. Ursache dieses Zorns ist meiner Meinung nach die technologische Disruption der Arbeitswelt. Diese Entwicklung hat in den USA offenbar viele Jobs in der Industrie und bei der Ausbeutung natürlicher Ressourcen gekostet. In Deutschland wird so etwas mit Bezug auf andere Branchen gern als Strukturwandel bezeichnet, in den USA  wurde der Steel Belt zum Rust Belt. Allgemein herrscht aufgrund der Automatisierung auch in den White-Collar-Branchen Angst davor, in denselben Abgrund zu rutschen.

Mit der exekutiven Macht eines US-Präsidenten samt konservativer Mehrheit im Repräsentatenhaus und Supreme Court sollte Trump in der Lage sein, kurzfristig gegen diesen Trend anzusteuern. Er plant ja ofenbar, durch Förderung des Bergbaus und der Ölförderung, Lockerung von Umweltauflagen sowie durch Importzölle Jobs in den kritischen Branchen zu schaffen.

Damit wird sich die weitere Disruption der Arbeitswelt sicherlich verzögern lassen. Ich glaube aber nicht, dass Trump sie aufhalten oder gar umkehren kann. Dazu bräuchte es einen weltweiten Aufstand der Maschinenstürmer. Selbst wenn das Mooresche Gesetz seine Gültigkeit verliert und es bei Mirkoprozessoren, Akkus, Solarzellen, etc. keine weiteren Fortschritte mehr gibt, so sehe ich noch auf Jahre hinaus deutliche Effizienzgewinne durch Automatisierung und Integration.

Soll heißen, auch wenn Trump eine deutliche Konjunktur von Autofabriken in Michigan und Kohleminen in Pennsilvania bewirken kann, so werden dort doch deutlich weniger Arbeiter eingestellt werden, als für entsprechende Produktionssteigerungen in der Vergangenheit. Wenn Roboter in Asien mit menschlichen Arbeitskräften konkurrieren, dann umso mehr in Europa und den USA. Um in Bergbau und Produktion Beschäftigtenzahlen wie in den 80ern zu erreichen, bräuchte es nichts geringeres als eine echte Maschinenstürmerbewegung.

Und umgekehrt bedroht Trumps Kurs jetzt schon den Sektor der Zukunftstechnologien (Apple, Amazon, Google, Tesla), der die US-Wirtschaft in den vergangenen Jahren mit über Wasser gehalten hat. Wenn man also davon ausgeht, dass gerade in den USA die Disruption des Logistik- und Transportwesens noch bevorsteht und dass diese weitere Millionen Jobs kosten wird, dann sind wir noch lange nicht am Ende der gesellschaftlichen Turbulenzen angekommen, die uns den Präsidenten Trump beschert haben.

Und auch außerhalb der USA muss man sich die Frage stellen, welche Perspektive man den Wählern bieten will. Die Aussicht, sich durch seiner eigenen Hände Arbeit ernähren zu können und es darüber hinaus auch für sich selbst und seine Nachkommen zu Wohlstand zu bringen, war zwei Jahrhunderte lang ein Eckpfeiler sowohl des persönlichen Selbstverständnisses wie auch der gesellschaftlichen Stabilität des Westens. Dieses Konzept wird aktuell grundlegend infrage gestellt.

Solange es nur die Geringqualifizierten betraf oder nur die ländlichen Gegenden, ließ sich das Problem besser ignorieren. Noch lässt sich der schwarze Peter den Migranten oder den Chinesen zuschieben. Noch lassen sich Qualifizierungsoffensiven fordern, die den Gabelstaplerfahrer zum Mechatroniker machen sollen. Aber ich glaube, dass wir mit fortschreitender Automatisierung, von der Vorstellung Abschied nehmen müssen, dass größere Teile der Bevölkerung Lebenssinn darin finden, Dinge zu produzieren oder herumzuwuchten. Wenn der Strukturwandel der Landwirtschaft ein Anhaltspunkt ist, dann könnten uns diese Formen der Beschäftigung schlicht abhanden kommen.

Was werden die Alternativen sein? Ich habe vor über 20 Jahren Zivildienst geleistet und werde daraufhin noch heute mit der Phrase „alten Omas den Hintern abwischen“ konfrontiert. Das deutet auf eines der Probleme hin. Der Kohlekumpel und der Trucker haben zwar eigentlich elende Arbeitbedingungen, aber sie konnten bei überschaubarer Qualifikation mit ehrlicher Maloche ein gutes Einkommen und eine gewisse gesellschaftliche Achtung erreichen. Diese Achtung wird der Kindergärtnerin oder der Krankenschwester in deutlich geringerem Maße zuteil. Es schreibt sich auch ganz selbstverständlich „der Trucker“ und „die Krankenschwester“.

Das wäre etwas, das sich ändern könnte. Jobs, die auf den Menschen ausgerichtet sind, könnten eine höhere Wertschätzung erfahren. Eine andere Variante wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen als Versuch, die Technologie-Dividende fairer zu verteilen. Ich glaube auch nicht, dass das bedeuten würde, dass plötzlich die Hälfte der Leute zu arbeiten aufhört. Aber die vielbeschworenen Brüche in der Arbeitsbiografie liessen sich so halt viel gelassener ertragen.

Eigentlich ist doch die Vorstellung, das keine(r) mehr in Schichtarbeit am Band schuften muss und dass die Menschen sich auf Bereiche wie Forschung, Kunst, Bildung und Erziehung, Pflege, Politik, und – ja – Nichtstun beschränken könnte, eine sehr angenehme Utopie. Ich sehe nur nicht, wie Trump und Konsorten uns auch nur einen Schritt in diese Richtung voran bringen könnten.

Michael Seemann: Die Globale Klasse – Eine andere Welt ist möglich. Aber als Drohung.
Christian Stöcker bei Spiegel Online: Rationale aller Länder, vereinigt euch!
David Wong bei Cracked: How Half Of America Lost Its F**king Mind
Scott Santens bei Medium: Self-Driving Trucks Are Going to Hit Us Like a Human-Driven Truck
Mashable: Elon Musk thinks universal income is answer to automation taking human jobs
IWF zu bedingungslosem Grundeinkommen: Robots, Growth, and Inequality
Marschall Brain: Manna

Und bei diesen beiden sind natürlich nicht die Wikipedia-Einträge gemeint, sondern die Bücher selbst.
Thomas Piketty: Das Kapital im 21. Jahrhundert
David Graeber: Debt: The First 5000 Years

Nachtrag: Via Fefe bin ich auf folgenden Artikel gestoßen, der das Problem der schwindenden Arbeit recht drastisch beleuchtet. Bis hin zu jetzt schon messbaren Auswirkungen auf die Lebenserwartung in den USA.

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What Could Possibly Go Wrong?

Die Bundesregierung plant, die Autobahnen zu privatisieren. Vorbild sei u.a. die erfolgreiche Privatisierung der Telekom. Na dann wird ja den Fernstraßen sicher bald der gleiche Enthusiasmus zuteil, wie dem Breitbandinternet.

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Nachtruhe

Also was den Selbstmord des Terrorverdächtigen in Leipzig angeht, hätte ich ehrlich gesagt auch erwartet, dass so jemand ungefähr so lange verhört wird (mit Dolmetschern, Plural), bis er am Tisch einschläft. Und dass diese Prozedur dann nach ein paar Stunden Bettruhe direkt weiter geht und das dann tagelang.

Ich sehe kaum noch Fernsehkrimis, aber vermutlich hat sich das Bild von den rund um die Uhr unablässig ermittelnden Emittlern seit Kindertagen fest eingebrannt. Ich meine Mitwisser, Komplizen? Allenthalben wird doch so getan, als ob noch mehr von der Sorte rumliefen.

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Das Bayern-Gen und sein Ökosystem

In den vergangenen Monaten erschienen einige besorgte Kommentare, ob die Dominanz der Bayern nicht zu groß, der Meisterschaftskampf nicht zu uninteressant würde. Mehrfach kam in der vergangenen Saison der Verdacht auf, dass Teams durch schwache Aufstellungen und „abgeholte“ Gelbsperren die Spiele gegen die Bayern quasi hergeschenkt hätten. Die Bayern-Riege selbst hat ja schon des öfteren verlauten lassen, dass man eigentlich die Einführung einer europaweiten Liga anstrebt und sich lieber mit Madrid, Mailand und Paris messen würde als mit Darmstadt und Freiburg. Das ist aus deren Sicht auch nur konsequent. Sie sind alle Sportler, Wettkämpfer und wollen die stärkste Mannschaft und den anspruchsvollsten Wettbewerb.

Den stärksten Kader der Bundesliga haben sie – mit weitem Abstand. Schätzungen wie dieser hier zufolge, ist der Münchner Kader soviel wert, wie die Mannschaften der schwächeren Hälfte der Liga zusammengenommen. Aber stehen sie im stärksten Wettbewerb? Die Bayern verlieren pro Saison ca. vier Partien, gingen in den vergangenen Jahren meist mit sattem Vorsprung in die Winterpause und standen manchmal schon zu Ostern als Meister fest. Gleichzeitig scheint es so, als wenn die Fokussierung auf die KO-Spiele der Champions League im Frühjahr nicht so recht gelingen wollte. Als ob die einseitigen Spiele der Ligasaison keine ausreichende Vorbereitung auf den europäischen Wettbewerb mehr böten.

Wie gesagt, dass die Bayern kein Interesse an der Stärkung ihrer direkten Konkurrenten haben können, ist klar. Was ich wundert ist, dass DFB und DFL dem zunehmenden Ungleichgewicht zwischen einigen wenigen Spitzenteams und einem guten halben Dutzend Abstiegskandidaten gleichgültig bis wohlwollend zusehen. Statt beispielsweise auf eine gleichmäßigere Verteilung der Fensehgelder zu drängen, werden vielmehr den schwächeren Vereinen Sanktionen angedroht, falls sie nicht mit ihrer „stärksten Mannschaft“ bei den Spitzenteams antreten (wer auch immer das feststellen will).

Hier würde vielleicht ein Blick über den Teich oder auch nur über den Kanal helfen. Die strikt kommerziellen US-Ligen NFL und NBA kennen nämlich ausgeklügelte Draft-Systeme und Höchstgehälter (Salary Caps), die nur dazu dienen, das Ungleichgewicht zwischen den besten und den schlechtesten Teams nicht zu groß werden zu lassen. Davon könnte sich der deutsche Ligabetrieb, der sich gern immer noch gemeinnützig wie ein Breitensportverein gibt, durchaus inspirieren lassen.

Oder man schüfe wie in England und Frankreich für Investoren die Möglichkeit, eine Bundesligamannschaft komplett zu übernehmen. Bisher geht das ja nur, wenn man wie Red Bull oder SAP quasi einen Verein neu gründet und dann über Aufstiege in die Bundesliga führt. Aber bislang wird nur neidisch nach England geschielt und kaum jemand fragt sich ernsthaft, wieso dort der Meisterschaftskampf in den vergangenen Jahren stets zwischen mehreren Teams ausgeragen wurde und auch dann spannend war, wenn sich keine Überraschungsmannschaft wie Leicester hervortun konnte.

So aber sehe ich eine immer tiefere Spaltung entstehen – zwischen den Zwölfjährigen (im Herzen), die ihr Team einfach alles gewinnen sehen wollen, und denen, die interessante und hochklassige Spiele sehen möchten, wovon es bald noch weniger geben könnte.

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Muss vielleicht jetzt einfach mal sein?

Es naht das Brexit-Votum. Prinzipiell halte ich es für völlig sinnvoll und vernünftig, dass GB ein Teil der EU bleibt. Aber mit Vernunft scheint das Abstimmungsverhalten ja nicht so viel zu tun zu haben, insofern wohl falscher Ansatz. Und ich stimme ja auch nicht mit ab.

Die Britischen Konservativen haben jetzt lange und gründlich gegen die EU gestänkert – immer mit dem Hinweis natürlich, man wolle ja nur auf Schwachstellen hinweisen und zur Verbesserung der Gemeinschaft beitragen. Komischerweise haben sie sich dann aber immer mit kleinen konkreten Sonderregelungen für Großbritannien zufrieden gegeben. Das mag ein cleveres Spiel gewesen sein oder sich auch nur so ergeben haben – jedenfalls liefert es aktuell eher den Brexit-Befürwortern Argumente.

Und so ist es vielleicht wie bei einer Hausgemeinschaft: Derjenige, der sich immer beschwert und mit Auszug droht, aber selten mit anpackt oder auch nur gute Vorschläge macht, wenn etwas zu tun ist, wird dann am Ende auch mal beim Wort genommen. Und sieht sich gezwungen seine ewige Drohung „ich zieh aus!“ wahr zu machen.

Ich persönlich erwarte nach einem Brexit mindestens einige sehr harte Jahre für GB. Für die Rest-EU wird es sicher auch kein Spaziergang. Aber es wird sich dann vielleicht mal erweisen, wie vor- oder nachteilhaft eine EU-Mitgliedschaft wirklich ist. Und insofern wäre es auch nur fair, wenn ein wohlhabendes Land diesen Schritt aus eigener Entscheidung unternimmt, als wenn ein ärmeres Land zwangsweise ausgeschlossen würde.

Ich halte es nicht für völlig ausgeschlossen, dass die Rest-EU einen Brexit als Anlass zu Reformen begreift. Die Populisten auf allen Seiten werden natürlich weiter gegen die EU hetzen. Verschörungstheorien, die auch einen britischen Niedergang nach dem Brexit noch dem Tyrannen Europa anlasten würden, sind sicher schnell bei der Hand. Aber die halbwegs vernunftgesteuerte Mitte, die es – noch – gibt, bekäme mal eine klare Vorstellung, wie es außerhalb der EU so läuft.

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Kürzlich gelesen – David Simon: Homicide

Der Autor ist einer der Schöpfer von The Wire, einer der vermutlich besten Fernsehserien überhaupt (meiner unmaßgeblichen Meinung nach jedenfalls). Deutlich früher war er Poizeireporter der Baltimore Sun und hatte das zweifelhafte Glück, das komplette Jahr 1988 als Embedded Journalist bei der dortigen Mordkomission zu verbringen. Homicide ist der daraus entstandene Bericht.

Was es in diesem Buch gibt: Fluchende, streitende, rauchende, saufende und übelst scherzende Mordermittler. Knapp eine Leiche pro Tag, Spurensicherung, Pathologie, Staatsanwaltschaft, Geschworenengericht. Und Berufsverbrecher und Polizisten, die sich längst kennen und wie alte Bekannte begrüßen.

Was hingegen nicht vorkommt, ist das – in zeitgenössischen Tatorts schon endemische – Mem vom Verbrecher, der eine Privatfehde mit dem Kommissar, dem Profiler oder der Staatsanwältin austrägt. Nach 20 Jahren aus dem Knast entlassen, hat so ein Täter wenige Tage später schon Handynummer und Privatadresse des alten Feindes und weiß auch, wo dessen Kinder zur Schule gehen. Und stranguliert zum Beweis seiner Niedertracht erstmal deren Haustier.

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Backups, WTF?

Mein letzter Eintrag ins Techniktagebuch wurde von nawaro01 mit dem schönen Kommentar „Warum braucht man ein IPhone? Und ein Backup? Mein Android Telefon musste ich noch nie mit dem pc verbinden?“ geteilt.

Zwei berechtigte Fragen. Ein iPhone braucht man nicht, wie ich selbst kürzlich feststellen konnte. Irgendeine Art Smartphone braucht man hingegen heute vielleicht schon. Oder man verwendet weiterhin Stadpläne und Notizbücher und Fotoapparate. Noch gibt es die ja.

Um herauszufinden, ob man Backups benötigt, empfiehlt sich folgendes Gedankenexperiment: Man stelle sich vor, das Smartphone fiele einem in einen tiefen Fluss und man müsste sich daraufhin ein gleichwertiges Ersatzgerät besorgen. Wenn man dann einen Tag später wieder genauso damit umgehen kann, wie vor dem Verlust, und nichts vermisst, dann braucht man kein Backup.

Das kann entweder daran liegen, dass man gar keine Daten hat. Also auch keine Fotos, Notizen, Lesezeichen oder Kontakte – und vielleicht nichtmal Apps, die nicht schon vorinstalliert sind.

Oder es liegt daran, dass alle diese Daten bei Facebook, Apple, Google, Dropbox, Twitter, Tinder undsoweiter „in der Cloud“ liegen. Also auf deren Servern (von denen die betreffende Firma dann Backups macht).

Die dritte Möglichkeit ist, dass eine automatische Synchronisation stattfindet, z.B. sobald man im heimischen WLAN ist. Das ist aber auch ein Backup – nur ohne Kabel.

Wenn ich so überlege, habe ich in meinem Leben viele Leute getroffen, die ausgiebig Backups gemacht und dann nie gebraucht haben. Aber auch schon eine ganze Menge, die im entscheidenden Moment sehr gern ein Backup gehabt hätten, z.B. nachdem ihnen das Telefon oder der Laptop geklaut wurde.

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